Kerzen selber machen: Nachhaltige Alternativen zu Paraffin
Kerzen selber machen ist eine der einfachsten Methoden, um fossiles Paraffin durch nachhaltige Alternativen zu ersetzen und gleichzeitig individuelle Deko-Objekte zu schaffen. Rund 235.000 Tonnen Kerzen werden laut European Candle Association jährlich in Deutschland verbraucht — der Großteil davon aus erdölbasiertem Paraffin. Pflanzliche Wachsarten wie Sojawachs, Rapswachs oder Bienenwachs bieten eine klimafreundlichere Alternative, die sich zu Hause ohne teure Spezialausrüstung verarbeiten lässt.
Ob Kerzen gießen in dekorativen Gläsern, Kerzen ziehen mit Kindern oder Kerzenreste schmelzen und wiederverwerten: Dieser Ratgeber liefert eine vollständige Anleitung für alle Methoden, vergleicht nachhaltige Wachsarten und zeigt, wie sich auch der Docht selber machen lässt. So entstehen Kerzen, die besser für Raumluft, Klima und Geldbeutel sind.
Zusammenfassung: Kerzen selber machen
- Paraffin vermeiden -- Erdölbasiertes Kerzenwachs setzt beim Verbrennen flüchtige organische Verbindungen frei und hat einen hohen CO2 Fußabdruck
- Sojawachs als Allrounder -- Schmelzpunkt bei 46-52 °C, einfach zu verarbeiten, bis zu 50 % längere Brenndauer als Paraffin
- Kerzenreste schmelzen spart Ressourcen -- Pro Haushalt fallen jährlich 1-2 kg Wachsreste an, die sich komplett wiederverwerten lassen
- Kerzen gießen für Anfänger -- Grundausstattung kostet 15-30 Euro und reicht für etwa 10-15 Kerzen
- Docht selber machen möglich -- Aus Baumwollgarn lassen sich Dochte in verschiedenen Stärken herstellen
Warum Paraffin in Kerzen problematisch ist
Paraffin ist ein Nebenprodukt der Erdölraffination und damit ein fossiler Rohstoff. Etwa 75 % aller in Deutschland verkauften Kerzen bestehen laut European Candle Association aus Paraffin oder Paraffin-Mischungen. Die Gewinnung ist energieintensiv und an die Erdölförderung gekoppelt.
Emissionen beim Verbrennen von Paraffinkerzen
Beim Abbrennen von Paraffinkerzen entstehen neben CO2 und Wasserdampf auch Feinstaub und flüchtige organische Verbindungen (VOCs). Das Fraunhofer-Institut für Holzforschung (WKI) hat in Untersuchungen Substanzen wie Toluol, Benzol und Formaldehyd in der Abluft von Paraffinkerzen nachgewiesen. Die Konzentrationen liegen zwar meist unterhalb gesundheitlicher Grenzwerte, summieren sich jedoch bei schlechter Belüftung — besonders in der Adventszeit, wenn mehrere Kerzen gleichzeitig brennen.
Klimabilanz fossiler Kerzenwachse
Die CO2-Bilanz von Paraffinwachs liegt bei etwa 3,5 kg CO2-Äquivalent pro Kilogramm Wachs — gerechnet von der Rohölförderung bis zum fertigen Produkt. Pflanzliche Wachsarten binden während ihres Wachstums CO2 aus der Atmosphäre und erreichen dadurch eine deutlich bessere Klimabilanz. Sojawachs kommt auf etwa 1,2 kg CO2-Äquivalent pro Kilogramm, Rapswachs auf rund 0,9 kg.
Parfümierte Paraffinkerzen setzen beim Verbrennen besonders viele flüchtige organische Verbindungen frei. Wer auf Duftkerzen nicht verzichten möchte, sollte zu Kerzen aus Sojawachs mit ätherischen Ölen greifen und regelmäßig lüften.
Nachhaltige Kerzenwachs-Alternativen im Vergleich
Die Wahl des Kerzenwachses bestimmt Brennverhalten, Duftbindung, Klimabilanz und Verarbeitbarkeit. Vier pflanzliche und natürliche Alternativen haben sich als Ersatz für Paraffin etabliert.

Sojawachs — der Allrounder
Sojawachs wird aus hydrogeniertem Sojaöl hergestellt und ist die beliebteste pflanzliche Alternative zum Kerzen selber machen. Der niedrige Schmelzpunkt von 46-52 °C macht die Verarbeitung besonders einfach. Sojawachskerzen brennen bis zu 50 % länger als vergleichbare Paraffinkerzen und entwickeln weniger Ruß. Duftöle lassen sich in Sojawachs besonders gut binden, was es zur ersten Wahl für selbstgemachte Duftkerzen macht.
Bienenwachs — natürlicher Honigduft
Bienenwachs ist das älteste Kerzenwachs der Menschheitsgeschichte. Es hat einen Schmelzpunkt von 62-65 °C und verströmt beim Brennen einen dezenten Honigduft ohne Zusatzstoffe. Ein Kilogramm Bienenwachs kostet zwischen 20 und 35 Euro und ist damit die teuerste natürliche Wachsart. Für die Produktion von einem Kilogramm Bienenwachs benötigen Bienen etwa 6-7 Kilogramm Honig. Wer Wert auf regionale Herkunft legt, kann Bienenwachs direkt bei Imkern beziehen.
Rapswachs — die günstige pflanzliche Option
Rapswachs wird aus europäischem Rapsöl hergestellt und hat die kürzesten Transportwege aller pflanzlichen Wachsarten. Der Schmelzpunkt liegt bei 55-60 °C. Rapswachs verbrennt nahezu rußfrei und eignet sich besonders für Kerzen im Glas. Mit einem Kilopreis von 8-15 Euro ist es die günstigste pflanzliche Alternative.
Kerzenreste schmelzen und wiederverwerten
Kerzenreste schmelzen ist die nachhaltigste Methode, um neue Kerzen herzustellen. Pro Haushalt sammeln sich laut Umweltbundesamt jährlich 1-2 kg Wachsreste an, die sich ohne Qualitätsverlust einschmelzen und neu verarbeiten lassen. Verschiedenfarbige Kerzenreste ergeben beim Schichten in Gläsern dekorative Unikate. Diese Methode eignet sich auch hervorragend als Einstieg in das Thema nachhaltig einkaufen und Ressourcen sparen.
| Kerzenwachs | Schmelzpunkt | Preis pro kg | Brenndauer (vs. Paraffin) | CO2-Bilanz (kg CO2/kg) | Für Anfänger |
|---|---|---|---|---|---|
| Sojawachs | 46-52 °C | 10-18 € | +50 % | ~1,2 | Sehr gut |
| Bienenwachs | 62-65 °C | 20-35 € | +30 % | ~0,5 | Gut |
| Rapswachs | 55-60 °C | 8-15 € | +20 % | ~0,9 | Gut |
| Kerzenreste | variabel | 0 € | variabel | ~0 (Recycling) | Sehr gut |
| Paraffin | 50-60 °C | 3-8 € | Referenz | ~3,5 | Sehr gut |
Eine Mischung aus 80 % Sojawachs und 20 % Bienenwachs vereint die Vorteile beider Wachsarten: einfache Verarbeitung, gute Duftbindung und eine feste Konsistenz. Diese Kombination eignet sich besonders für freistehende Stumpenkerzen.
Grundausstattung zum Kerzen selber machen
Für die Kerzenherstellung zu Hause ist keine teure Spezialausrüstung nötig. Viele Utensilien finden sich bereits in der Küche oder lassen sich günstig beschaffen.
Werkzeuge und Materialien
Die Grundausstattung zum Kerzen selber machen umfasst wenige Komponenten. Ein hitzebeständiger Topf oder ein Schmelzgefäß aus Edelstahl dient als Wasserbad zum Schmelzen des Wachses. Ein Küchenthermometer ist wichtig, um die optimale Gießtemperatur zu kontrollieren — Überhitzung kann das Wachs verfärben oder Duftstoffe zerstören. Dochthalter aus Holzstäbchen oder Schaschlikspießen fixieren den Docht mittig in der Form.
Gießformen — von der Küche bis zum Upcycling
Als Gießformen eignen sich zahlreiche Alltagsgegenstände. Leere Marmeladengläser, Teetassen, Konservendosen und Joghurtbecher funktionieren ebenso wie spezielle Silikonformen. Wer Geschenke nachhaltig verpacken möchte, kann selbstgegossene Kerzen in wiederverwendeten Gläsern verschenken.
Schmelzgefäß
Edelstahltopf oder Blechdose im Wasserbad. Kein direktes Erhitzen auf der Herdplatte.
Thermometer
Küchenthermometer bis 100 °C. Optimale Gießtemperatur: 60-70 °C je nach Wachsart.
Dochte
Gewachste Baumwolldochte in passender Stärke. Alternativ: Docht selber machen aus Baumwollgarn.
Gießformen
Gläser, Silikonformen, Dosen oder Joghurtbecher. Hitzebeständig und dicht.
Kostenübersicht für Einsteiger
| Material | Menge | Kosten | Reicht für |
|---|---|---|---|
| Sojawachs | 1 kg | 10-18 € | ca. 8-10 Kerzen |
| Baumwolldochte (gewachst) | 20 Stück | 5-8 € | 20 Kerzen |
| Thermometer | 1 Stück | 5-10 € | unbegrenzt |
| Dochthalter (Holzstäbchen) | 10 Stück | 2-3 € | 10 Kerzen |
| Silikonform | 1 Stück | 8-15 € | unbegrenzt |
| Gesamtkosten Starterset | 30-54 € | ca. 10-15 Kerzen |
Kerzen gießen: Schritt für Schritt Anleitung
Kerzen gießen ist die einfachste Methode, um Kerzen selber zu machen. Die folgende Anleitung zum Kerzen gießen funktioniert mit allen pflanzlichen Wachsarten und ist auch für Anfänger geeignet.
Wachs schmelzen
Kerzenwachs im Wasserbad langsam erhitzen. Sojawachs auf 70-75 °C, Bienenwachs auf 75-80 °C. Nicht über 85 °C erhitzen.
Docht vorbereiten
Docht auf Formlänge zuschneiden plus 3 cm Zugabe. Mit Dochthalter mittig über der Form fixieren. Unten mit Dochtplättchen oder Wachstropfen befestigen.
Wachs gießen
Geschmolzenes Wachs auf 60-65 °C abkühlen lassen, dann langsam in die Form gießen. Etwa 1 cm Rand freilassen für den Nachguss.
Abkühlen lassen
Kerze bei Raumtemperatur mindestens 12-24 Stunden aushärten lassen. Nicht in den Kühlschrank stellen -- das verursacht Risse.
Nachguss
Nach dem Abkühlen bildet sich eine Mulde um den Docht. Restliches Wachs erneut erwärmen und die Mulde auffüllen.
Fertig
Kerze entformen, Docht auf 1 cm kürzen. Die Kerze sollte vor dem ersten Anzünden 48 Stunden ruhen.
Optimale Gießtemperaturen nach Wachsart
Die richtige Temperatur beim Kerzen gießen entscheidet über das Ergebnis. Zu heißes Wachs verursacht Luftblasen und Risse, zu kühles Wachs haftet nicht richtig an der Form.
| Wachsart | Schmelztemperatur | Optimale Gießtemperatur | Duftöl-Zugabe bei |
|---|---|---|---|
| Sojawachs | 46-52 °C | 60-65 °C | 55-60 °C |
| Bienenwachs | 62-65 °C | 70-75 °C | 65-70 °C |
| Rapswachs | 55-60 °C | 65-70 °C | 60-65 °C |
| Kerzenreste (Paraffin) | 50-60 °C | 65-70 °C | 60-65 °C |
Kerzen selber gießen im Glas
Kerzen im Glas selber machen ist die anfängerfreundlichste Variante, da kein Entformen nötig ist. Geeignet sind hitzebeständige Gläser mit einer Wandstärke von mindestens 3 mm — beispielsweise alte Marmeladengläser, Weckgläser oder dickwandige Trinkgläser. Dünne Gläser können durch die Hitze springen. Der Docht wird mit einem Klebeplättchen am Glasboden fixiert und oben mit einem Holzstäbchen zentriert.
Wachs niemals direkt auf der Herdplatte erhitzen -- es kann sich bei Überhitzung entzünden. Immer ein Wasserbad verwenden. Bei Wachsbrand kein Wasser verwenden, sondern den Topf mit einem Deckel abdecken, um die Flamme zu ersticken.
Kerzen ziehen: Die traditionelle Methode
Kerzen ziehen ist die älteste Methode der Kerzenherstellung und erzeugt die klassische, leicht konische Kerzenform. Beim Kerzenziehen wird ein Docht wiederholt in flüssiges Wachs getaucht, bis die gewünschte Dicke erreicht ist. Diese Technik eignet sich besonders für Bienenwachs und ist ein beliebtes Projekt für nachhaltige Weihnachten.
Anleitung zum Kerzen ziehen
Für das Kerzenziehen wird ein hohes, schmales Gefäß mit geschmolzenem Wachs benötigt — eine hohe Konservendose oder ein schmaler Edelstahlbehälter eignet sich gut. Der Docht wird an einem Stab befestigt und langsam in das Wachs getaucht. Nach jedem Tauchgang muss die Wachsschicht vollständig aushärten, bevor der nächste folgt. Etwa 20-30 Tauchgänge sind nötig, um eine Kerze mit 2-3 cm Durchmesser zu erhalten.
Kerzen ziehen mit Bienenwachsplatten
Eine deutlich einfachere Variante des Kerzenziehens funktioniert mit Bienenwachsplatten (Mittelwänden). Dabei wird ein Docht auf eine Bienenwachsplatte gelegt und die Platte fest um den Docht gerollt. Diese Methode kommt ohne heißes Wachs aus und ist deshalb besonders gut geeignet, wenn Kinder beim Kerzen selber machen mithelfen. Bienenwachsplatten kosten etwa 1-2 Euro pro Stück und ergeben jeweils eine Kerze.
Kerzen gießen -- Vorteile
- Vielfältige Formen und Designs möglich
- Einfacher für Anfänger
- Gut für Duftkerzen und Kerzen im Glas
- Schnellere Herstellung (1 Gießvorgang)
Kerzen ziehen -- Vorteile
- Klassische, elegante Kerzenform
- Sehr gleichmäßige Wachsschichten
- Ideal für Bienenwachs
- Meditative, entspannende Tätigkeit
Docht selber machen: Material und Anleitung
Der Docht ist das Herzstück jeder Kerze und bestimmt maßgeblich das Brennverhalten. Ein zu dünner Docht ertrinkt im Wachspool, ein zu dicker Docht rußt und brennt zu schnell ab. Einen Docht selber machen ist mit wenigen Materialien möglich.
Docht aus Baumwollgarn herstellen
Für einen selbstgemachten Docht eignet sich ungebleichtes Baumwollgarn mit einer Stärke von 2-3 mm. Drei Fäden werden zu einem Strang verzwirbelt oder geflochten. Anschließend wird der Docht für 5 Minuten in eine Lösung aus 1 Esslöffel Salz und 2 Esslöffeln Borax in 250 ml Wasser eingelegt. Nach dem Trocknen wird der Docht in geschmolzenes Wachs getaucht und gerade zum Aushärten aufgehängt. Dieser Vorgang wird 2-3 Mal wiederholt, bis der Docht gleichmäßig gewachst ist.
Dochtstärke nach Kerzendurchmesser
| Kerzendurchmesser | Empfohlene Dochtstärke | Geeignet für |
|---|---|---|
| Bis 4 cm | Dünn (1-2 mm geflochten) | Teelichter, dünne Stabkerzen |
| 4-6 cm | Mittel (2-3 mm geflochten) | Stumpenkerzen, Glaskerzen |
| 6-8 cm | Dick (3-4 mm geflochten) | Große Stumpenkerzen |
| Ab 8 cm | Sehr dick oder Mehrfachdocht | Große Blockkerzen, Mehrdochtkerzen |
Holzdochte aus dünnem Kirsch- oder Balsamholz erzeugen beim Brennen ein leises Knistern ähnlich einem Kaminfeuer. Sie eignen sich besonders für Kerzen im Glas aus Sojawachs und sind in Bastelgeschäften oder online erhältlich.
Kerzen selber machen mit Kindern
Kerzen selber machen mit Kindern ist ein kreatives Projekt, das spielerisch an das Thema Nachhaltigkeit heranführt. Dabei sollte die Methode altersgerecht gewählt werden, um Verbrennungen durch heißes Wachs zu vermeiden.
Altersgerechte Methoden
Für Kinder ab 4 Jahren eignet sich das Rollen von Bienenwachsplatten am besten. Dabei wird kein heißes Wachs benötigt, und die weichen Platten lassen sich leicht formen. Kinder ab 6 Jahren können unter Aufsicht beim Kerzen ziehen helfen, indem sie den Docht in vorbereitetes, nicht zu heißes Wachs tauchen. Beim Kerzen gießen sollten Erwachsene das Schmelzen und Gießen übernehmen, während Kinder die Formen vorbereiten, Farben auswählen und die fertigen Kerzen verzieren.
Kreative Ideen für Kinderkerzen
Bunte Schichtkerzen entstehen, wenn verschiedenfarbige Wachsschichten nacheinander in ein Glas gegossen werden. Jede Schicht muss vor der nächsten vollständig aushärten. Wachsmalstifte (ohne Paraffin) können als Farbstoff dienen — ein halber Stift reicht für 200 g Wachs. Getrocknete Blüten, Zimtstangen oder Kaffeebohnen lassen sich als Dekoration an die Innenseite des Glases legen, bevor das Wachs eingegossen wird. Solche selbstgemachten Kerzen eignen sich auch als nachhaltige Geschenke für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.
Ein Set aus 10-12 Bienenwachsplatten in verschiedenen Farben mit passenden Dochten kostet etwa 15-20 Euro und reicht für einen Bastelnachmittag mit 3-4 Kindern. Kein heißes Wachs, kein Werkzeug, kein Risiko.
Weihnachtskerzen selber machen: Ideen und Anleitungen
Weihnachtskerzen selber machen verbindet Kreativität mit Nachhaltigkeit. Selbstgegossene Adventskerzen aus Bienenwachs oder Sojawachs sind eine umweltfreundliche Alternative zu handelsüblichen Paraffinkerzen und lassen sich individuell gestalten.

Adventskerzen aus Bienenwachs
Für klassische Adventskerzen werden vier Stumpenkerzen aus Bienenwachs gegossen. Silikonformen in Stumpenform (Durchmesser 6-7 cm, Höhe 12-15 cm) erzeugen gleichmäßige Kerzen. Pro Kerze werden etwa 250-300 g Bienenwachs benötigt. Die goldgelbe Farbe und der natürliche Honigduft von Bienenwachs passen besonders gut zur Adventszeit. Wer die Kerzen mit Upcycling-Weihnachtsdeko kombiniert, schafft ein stimmungsvolles und nachhaltiges Arrangement.
Duftkerzen mit ätherischen Ölen
Ätherische Öle wie Zimt, Orange, Nelke oder Tanne verleihen selbstgemachten Weihnachtskerzen einen natürlichen Duft ohne synthetische Duftstoffe. Pro 100 g Wachs werden 5-8 ml ätherisches Öl empfohlen. Das Öl wird bei 55-60 °C (Sojawachs) in das geschmolzene Wachs eingerührt — bei höheren Temperaturen verflüchtigt sich der Duft. Ätherische Öle sind im Vergleich zu synthetischen Duftölen teurer, belasten jedoch die Raumluft deutlich weniger.
Definition: Ätherische Öle
Ätherische Öle sind konzentrierte, natürliche Pflanzenextrakte, die durch Destillation oder Kaltpressung gewonnen werden. Im Gegensatz zu synthetischen Duftölen enthalten sie keine petrochemischen Bestandteile und sind biologisch abbaubar.
Kerzenreste schmelzen und wiederverwerten
Kerzenreste schmelzen ist die ressourcenschonendste Methode, um neue Kerzen herzustellen. Statt Wachsreste wegzuwerfen, lassen sie sich ohne Qualitätsverlust zu neuen Kerzen verarbeiten. Diese Praxis passt zum Zero-Waste-Gedanken und spart gleichzeitig Geld.
Anleitung zum Einschmelzen von Kerzenresten
Kerzenreste werden zunächst von Dochthaltern, Dochtresten und Dekorationen befreit. Anschließend werden sie nach Farbe sortiert — weiße und helle Reste ergeben die vielseitigsten Ergebnisse. Im Wasserbad bei 60-80 °C schmelzen die Reste innerhalb von 15-20 Minuten. Das flüssige Wachs wird durch ein feines Sieb oder ein Baumwolltuch gefiltert, um Dochtreste und Verunreinigungen zu entfernen. Danach kann das Wachs wie frisches Kerzenwachs verarbeitet werden.
Tipps für schöne Ergebnisse mit Wachsresten
Verschiedenfarbige Kerzenreste lassen sich bewusst für Schichtkerzen nutzen. Dabei wird jede Farbschicht separat geschmolzen und nacheinander in das Glas gegossen. Zwischen den Schichten muss das Wachs jeweils 30-45 Minuten aushärten. Für ein gleichmäßiges Farbergebnis können gleiche Wachsfarben gemischt werden. Dunkle Reste eignen sich als unterste Schicht, helle als oberste.
✅ Checkliste: Kerzenreste richtig verwerten
Nachhaltige Kerzen: Siegel und Qualitätsmerkmale
Nicht jede als “nachhaltig” beworbene Kerze hält, was sie verspricht. Einige Qualitätssiegel und Merkmale helfen bei der Orientierung — sowohl beim Kauf als auch bei der Auswahl von Rohstoffen zum Kerzen selber machen.
RAL-Gütezeichen für Kerzen
Das RAL-Gütezeichen der RAL Gütegemeinschaft Kerzen garantiert, dass Kerzen bestimmte Qualitätsstandards einhalten. Dazu gehören Grenzwerte für Rußbildung, Tropfverhalten und Schadstoffemissionen. Das Siegel bezieht sich allerdings auf die Brennqualität, nicht auf die Nachhaltigkeit des Rohstoffs. Eine Paraffinkerze kann das RAL-Gütezeichen tragen, obwohl der Rohstoff fossil ist.
Nachhaltige Rohstoff-Zertifizierungen
Für Sojawachs ist die RSPO-Zertifizierung (Roundtable on Sustainable Palm Oil) relevant, wenn Palmöl-Anteile enthalten sind. Bio-Bienenwachs sollte von zertifizierten Bio-Imkereien stammen. Rapswachs aus europäischem Anbau hat grundsätzlich kurze Transportwege, eine Bio-Zertifizierung garantiert zusätzlich den Verzicht auf Pestizide. Wer Greenwashing vermeiden möchte, sollte auf konkrete Zertifizierungen statt auf vage Werbeaussagen achten.
Die Bezeichnung "Pflanzenkerze" ist nicht geschützt. Manche Hersteller mischen pflanzliche Wachse mit Paraffin und bewerben das Produkt dennoch als Pflanzenkerze. Ein Blick auf die Inhaltsstoffliste schafft Klarheit: 100 % Sojawachs oder 100 % Rapswachs sollte explizit angegeben sein.
Häufige Fehler beim Kerzen selber machen vermeiden
Beim Kerzen herstellen treten besonders bei Anfängern wiederkehrende Probleme auf. Die meisten lassen sich durch die richtige Temperaturkontrolle und Vorbereitung vermeiden.
Problemlösung für typische Fehler
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Luftblasen im Wachs | Wachs zu heiß gegossen | Gießtemperatur um 5 °C senken, langsam gießen |
| Mulde um den Docht | Normales Schrumpfen beim Abkühlen | Nachguss mit erwärmtem Wachs |
| Kerze rußt stark | Docht zu dick oder zu lang | Dünneren Docht verwenden, auf 0,5-1 cm kürzen |
| Risse in der Oberfläche | Zu schnelle Abkühlung | Bei Raumtemperatur aushärten, nicht im Kühlschrank |
| Docht ertrinkt im Wachs | Docht zu dünn für Kerzendurchmesser | Dickeren Docht wählen (siehe Dochttabelle) |
| Wachs haftet an der Form | Form nicht vorbereitet | Silikonform verwenden oder Form mit Speiseöl einreiben |
Brenndauer optimieren
Die Brenndauer selbstgemachter Kerzen lässt sich durch einfache Maßnahmen verlängern. Der Docht sollte vor jedem Anzünden auf 0,5-1 cm gekürzt werden. Beim ersten Abbrennen sollte die Kerze so lange brennen, bis die gesamte Oberfläche flüssig ist — das verhindert den sogenannten Tunneleffekt, bei dem nur die Mitte schmilzt. Sojawachskerzen erreichen bei richtiger Pflege eine Brenndauer von etwa 7-9 Stunden pro 100 g Wachs.
Fazit: Kerzen selber machen lohnt sich ökologisch und kreativ
Kerzen selber machen mit nachhaltigen Wachsarten ist eine wirksame Methode, um fossiles Paraffin aus dem Haushalt zu verbannen. Sojawachs, Rapswachs und Bienenwachs verbrennen sauberer, haben eine bessere Klimabilanz und lassen sich zu Hause ohne Spezialausrüstung verarbeiten. Die Grundausstattung kostet 30-54 Euro und reicht für 10-15 Kerzen — das entspricht einem Stückpreis von 3-5 Euro für hochwertige, schadstoffarme Kerzen.
Besonders nachhaltig ist das Einschmelzen von Kerzenresten, das keinen neuen Rohstoff erfordert und Abfall reduziert. Ob Kerzen gießen im Glas, Kerzen ziehen mit Bienenwachs oder kreative Weihnachtskerzen mit ätherischen Ölen — die Methoden sind vielfältig und für jedes Erfahrungslevel geeignet. Wer einmal mit dem Kerzen selber machen beginnt, wird handelsübliche Paraffinkerzen schnell nicht mehr vermissen.
Themen
- Kerzen selber machen
- Kerzenwachs
- Kerzen gießen
- Kerzen ziehen
- Docht selber machen
- Kerzenreste schmelzen
- Bienenwachs Kerzen
- nachhaltige Kerzen
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Michael Törner
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