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Weißer Wasserstoff: Die natürliche Alternative erklärt

Michael Törner · 13 Min. Lesezeit

Weißer Wasserstoff könnte die Energiewende revolutionieren. Dieser natürlich vorkommende Wasserstoff entsteht ohne menschliches Zutun in geologischen Formationen und bietet eine klimafreundliche Alternative zu industriell hergestelltem Wasserstoff. Während grüner Wasserstoff aus Elektrolyse mit erneuerbaren Energien gewonnen wird und dabei hohe Kosten verursacht, liegt weißer Wasserstoff bereits in der Erdkruste vor. Die geschätzten weltweiten Reserven von 5,6 Billionen Tonnen könnten den globalen Energiebedarf theoretisch für 170.000 Jahre decken. Für Deutschland als Industrienation mit ambitionierten Klimazielen eröffnet diese Entdeckung neue Perspektiven in der Entwicklung nachhaltiger Energietechnologien. Die Förderung von natürlichem Wasserstoff verursacht nahezu keine CO2-Emissionen und benötigt deutlich weniger Energie als alternative Herstellungsverfahren.

TL;DR – Das Wichtigste in Kürze

  • Weißer Wasserstoff ist natürlich vorkommender molekularer Wasserstoff aus geologischen Quellen – auch bekannt als natürlicher oder geogener Wasserstoff.
  • Produktionskosten liegen bei geschätzten 0,50–1 €/kg – bis zu 90 % günstiger als grüner Wasserstoff (4–6 €/kg).
  • Weltweite Reserven von 5,6 Billionen Tonnen könnten den Energiebedarf der Menschheit für 170.000 Jahre decken.
  • Größte bekannte Vorkommen befinden sich in Frankreich (Lothringen), Mali, Australien und Spanien.
  • In Deutschland werden Potenziale im Oberrheingraben und in Nordbayern erforscht.
5,6 Billionen Tonnen

Was ist weißer Wasserstoff?

Weißer Wasserstoff bezeichnet natürlich vorkommenden molekularen Wasserstoff (H2), der in geologischen Formationen der Erdkruste entsteht. Im Unterschied zu industriell hergestelltem Wasserstoff benötigt diese Form keine externe Energiezufuhr für die Produktion. Die Wissenschaft verwendet für diese Ressource verschiedene Bezeichnungen: Natürlicher Wasserstoff, geogener Wasserstoff oder auch goldener Wasserstoff beschreiben dasselbe Phänomen. Als potenzielle Wasserstoff-Energie-Quelle unterscheidet sich weißer Wasserstoff fundamental von anderen Arten der Wasserstoff-Herstellung. Die Farbbezeichnung “weiß” steht dabei symbolisch für die Reinheit und Naturbelassenheit dieser Energiequelle.

Die Entdeckung natürlicher Wasserstoff-Vorkommen hat die wissenschaftliche Gemeinschaft überrascht. Lange Zeit galt molekularer Wasserstoff als flüchtiges Gas, das nicht in nutzbaren Mengen in der Erde gespeichert sein kann. Erst Zufallsfunde in Mali im Jahr 1987 und spätere systematische Untersuchungen widerlegten diese Annahme. Heute wissen Forscher, dass sich weißer Wasserstoff kontinuierlich in der Erdkruste neu bildet – im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen, die endlich sind.

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Definition: Weißer Wasserstoff

Weißer Wasserstoff ist natürlich in der Erdkruste vorkommender molekularer Wasserstoff (H2), der durch geologische Prozesse wie Serpentinisierung oder Radiolyse entsteht. Er gilt als Primärenergieträger, da keine industrielle Herstellung erforderlich ist.

Die Wasserstoff-Farben und Wasserstoff-Arten im Überblick

Die verschiedenen Wasserstoff-Arten werden nach ihrer Herstellungsmethode in Farben kategorisiert. Diese Farbcodierung hilft bei der schnellen Einordnung der Klimabilanz. Weißer Wasserstoff nimmt dabei eine Sonderstellung ein, da er als einzige Variante nicht industriell produziert werden muss. Die Wasserstoff-Energie der Zukunft könnte aus einer Kombination verschiedener Quellen stammen.

Wasserstoff-FarbeHerstellungCO2-BilanzKosten (€/kg)
Weiß (natürlich)Geologische FörderungNahezu klimaneutral0,50–1,00
GrünElektrolyse mit ÖkostromKlimaneutral4,00–6,00
BlauErdgas + CO2-SpeicherungCO2-arm (90 % Abscheidung)2,00–3,50
TürkisMethanpyrolyseCO2-arm (fester Kohlenstoff)2,50–4,00
GrauDampfreformierung ErdgasHohe CO2-Emissionen1,50–2,50
Braun/SchwarzKohlevergasungSehr hohe CO2-Emissionen1,00–2,00

Wie entsteht weißer Wasserstoff in der Natur?

Die Entstehung von weißem Wasserstoff basiert auf zwei hauptsächlichen geologischen Prozessen. Beide Mechanismen laufen ohne menschliches Zutun ab und bilden kontinuierlich neuen Wasserstoff in der Erdkruste. Diese natürliche Wasserstoff-Herstellung unterscheidet sich fundamental von der industriellen Produktion.

Serpentinisierung: Der wichtigste Entstehungsprozess

Die Serpentinisierung ist der bedeutendste natürliche Prozess zur Wasserstoff-Bildung. Eisenhaltige Mineralien wie Olivin reagieren dabei mit Wasser unter hohem Druck und erhöhten Temperaturen. Diese Reaktion findet in Tiefen von 2 bis 20 Kilometern statt, wo Temperaturen zwischen 200 und 400 Grad Celsius herrschen. Der entstehende Wasserstoff sammelt sich in geologischen Speicherstrukturen oder steigt zur Erdoberfläche auf.

Die chemische Reaktion läuft folgendermaßen ab: Das Eisen im Gestein oxidiert, während Wassermoleküle reduziert werden. Das Resultat ist molekularer Wasserstoff (H2) und das Mineral Serpentinit. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) schätzt, dass durch Serpentinisierung jährlich etwa 1 Milliarde Kubikmeter Wasserstoff weltweit entstehen.

Radiolyse: Wasserstoff durch natürliche Strahlung

Die Radiolyse stellt den zweiten wichtigen Entstehungsmechanismus dar. Natürliche radioaktive Strahlung aus Uran und Thorium im Gestein spaltet Wassermoleküle auf. Dieser Prozess findet besonders in kristallinem Grundgestein statt, das hohe Konzentrationen radioaktiver Elemente enthält. Die freigesetzte Energie bricht die Bindungen zwischen Wasserstoff und Sauerstoff auf.

Die Radiolyse trägt zwar quantitativ weniger zur Wasserstoff-Bildung bei als die Serpentinisierung. Dennoch ist sie in bestimmten geologischen Formationen der dominante Mechanismus. In alten kontinentalen Schilden, die reich an radioaktiven Mineralien sind, kann die Radiolyse erhebliche Wasserstoff-Mengen freisetzen.

🔄 Entstehung von weißem Wasserstoff

1

Wasserinfiltration

Wasser dringt in tiefe Gesteinsschichten ein

2

Chemische Reaktion

Eisen oxidiert, Wasser wird reduziert

3

H2-Freisetzung

Molekularer Wasserstoff entsteht

Akkumulation

Wasserstoff sammelt sich in Speicherstrukturen

Wo gibt es weißen Wasserstoff? Weltweite Vorkommen

Die Erforschung natürlicher Wasserstoff-Vorkommen steht noch am Anfang. Dennoch haben Wissenschaftler bereits bedeutende Lagerstätten identifiziert. Eine Studie von Ellis und Gelman aus dem Jahr 2024 schätzt die weltweiten Reserven auf etwa 5,6 Billionen Tonnen. Diese Menge würde ausreichen, um den globalen Energiebedarf der Menschheit für mindestens 170.000 Jahre zu decken.

Frankreich: Das größte bekannte Vorkommen

Die Region Lothringen in Frankreich beherbergt das bislang größte bekannte Vorkommen weißen Wasserstoffs. Wissenschaftler der Université de Lorraine unter Leitung von Philippe de Donato entdeckten dort im Jahr 2023 geschätzte 46 Millionen Tonnen natürlichen Wasserstoff. Diese Menge entspricht etwa dem doppelten jährlichen Weltverbrauch von grauem Wasserstoff aus fossilen Quellen.

Das Vorkommen befindet sich in einer Tiefe von etwa 1.000 bis 3.000 Metern. Die französische Regierung hat bereits Explorationslizenzen für die Region vergeben. Mehrere Unternehmen, darunter 45-8 Energy, arbeiten an Konzepten zur kommerziellen Förderung dieses natürlichen Wasserstoffs.

Mali: Das erste kommerzielle Förderprojekt

In Bourakébougou, Mali, fördert das kanadische Unternehmen Hydroma seit 2012 weißen Wasserstoff kommerziell. Ein Bohrloch stößt dort auf nahezu reinen Wasserstoff mit einer Konzentration von 98 Prozent. Die Entdeckung erfolgte zufällig bei der Suche nach Wasser im Jahr 1987 – eine Explosion offenbarte das Gasvorkommen.

Das Projekt in Mali liefert den Beweis, dass die Förderung von natürlichem Wasserstoff technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Der gewonnene Wasserstoff versorgt ein lokales Kraftwerk und beliefert umliegende Dörfer mit Strom. Hydroma plant die Ausweitung der Produktion und die Erschließung weiterer Vorkommen in der Region.

Weißer Wasserstoff in Deutschland

Deutschland verfügt möglicherweise über eigene Vorkommen natürlichen Wasserstoffs. In der Region Haßberge in Nordbayern haben Forscher vielversprechende geologische Strukturen identifiziert. Auch der Oberrheingraben gilt als potenzielle Quelle für geogenen Wasserstoff. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) untersucht diese Regionen systematisch.

Die Nationale Wasserstoffstrategie Deutschlands konzentriert sich bislang auf grünen Wasserstoff aus Elektrolyse. Das Ziel: 10 Gigawatt Elektrolysekapazität bis 2030. Die Erforschung weißen Wasserstoffs findet ergänzend statt, ist aber noch nicht Teil der offiziellen Strategie. Der deutsche Wasserstoffbedarf soll von 55 Terawattstunden (2024) auf 130 Terawattstunden (2030) und 350 Terawattstunden (2045) steigen.

46 Mio. t
Größtes bekanntes Vorkommen (Lothringen)
98 % Reinheit
Erste kommerzielle Förderung seit 2012
Hohe Reinheit
Zweitreinste Vorkommen entdeckt

Vorteile und Herausforderungen von weißem Wasserstoff

Die Förderung von natürlichem Wasserstoff bietet erhebliche Vorteile gegenüber der industriellen Wasserstoff-Herstellung. Gleichzeitig stehen Wissenschaft und Industrie vor bedeutenden Herausforderungen bei der Erschließung dieser Ressource.

Vorteile

  • Kosten: 0,50–1 €/kg (vs. 4–6 €/kg grüner H2)
  • Nahezu keine CO2-Emissionen bei Förderung
  • Kontinuierliche natürliche Neubildung
  • Geringer Energiebedarf für Extraktion
  • Unabhängigkeit von Strompreisen

Herausforderungen

  • Explorationsmethoden noch unausgereift
  • Vorkommen oft zu tief oder abgelegen
  • H2 als indirektes Treibhausgas bei Entweichung
  • Begleitgase (Methan, H2S) erfordern Aufbereitung
  • Wissenschaftliche Datenlage noch dünn

Wirtschaftliche Vorteile der Wasserstoff-Förderung

Die Produktionskosten für weißen Wasserstoff liegen nach aktuellen Schätzungen bei etwa 0,50 bis 1 Euro pro Kilogramm. Grüner Wasserstoff aus Elektrolyse kostet dagegen 4 bis 6 Euro pro Kilogramm – ein Unterschied von bis zu 90 Prozent. Diese Kostendifferenz macht natürlichen Wasserstoff wirtschaftlich besonders attraktiv.

Der geringe Energiebedarf für die Förderung trägt wesentlich zu den niedrigen Kosten bei. Während die Elektrolyse große Mengen an Strom benötigt, reicht für die Extraktion von weißem Wasserstoff die übliche Bohrtechnik aus. Ähnlich wie bei der Erdgasförderung wird der Wasserstoff aus dem Boden gepumpt und aufbereitet. Die Technik ist erprobt und skalierbar.

Klimabilanz und Nachhaltigkeit

Weißer Wasserstoff gilt als nahezu klimaneutral, da bei der Förderung kein Kohlendioxid freigesetzt wird. Im Vergleich zur Wasserstoff-Herstellung aus Erdgas (grauer Wasserstoff) fallen keine direkten Emissionen an. Eine Studie der Oxford University zeigt, dass die CO2-Bilanz deutlich besser ausfällt als bei allen industriellen Herstellungsverfahren.

Ein wichtiger Aspekt betrifft die Vermeidung von Wasserstoff-Leckagen. Molekularer Wasserstoff wirkt als indirektes Treibhausgas, wenn er in die Atmosphäre entweicht. Er beeinflusst dort die Konzentration anderer Treibhausgase wie Methan. Moderne Fördertechnologien müssen daher auf minimale Verluste ausgelegt sein. Die Umweltauswirkungen des Verkehrs könnten durch den Einsatz von weißem Wasserstoff in Brennstoffzellen-Fahrzeugen deutlich reduziert werden.

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Achtung: Greenwashing-Risiko

Nicht jeder "grüne" oder "natürliche" Wasserstoff ist tatsächlich klimafreundlich. Prüfen Sie die tatsächliche Herkunft und Produktionsmethode. Seriöse Anbieter legen die vollständige Lieferkette offen. Bei Investitionen in Wasserstoff-Aktien ist besondere Vorsicht geboten – viele Projekte befinden sich noch im Frühstadium.

Forschung und Unternehmen im Bereich weißer Wasserstoff

Die Erforschung natürlicher Wasserstoff-Vorkommen hat in den letzten Jahren erheblich an Dynamik gewonnen. Deutsche Forschungseinrichtungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Gleichzeitig positionieren sich erste Unternehmen für die kommerzielle Nutzung dieser Ressource.

Deutsche Forschungseinrichtungen

Das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften in Potsdam untersucht die geologischen Voraussetzungen für natürliche Wasserstoff-Vorkommen. Der Forscher Frank Zwaan simuliert dort plattentektonische Prozesse, um potenzielle Lagerstätten zu identifizieren. Seine Modelle helfen dabei, vielversprechende Regionen für die Exploration zu erkennen.

Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) in Hannover entwickelt geophysikalische Methoden zur Detektion von Wasserstoff-Vorkommen. Gerald Gabriel und sein Team arbeiten an Verfahren, die ohne aufwendige Bohrungen erste Hinweise auf Lagerstätten liefern. Diese Technologien könnten die Explorationskosten erheblich senken.

Internationale Unternehmen und Investitionen

Das kanadische Unternehmen Hydroma ist der Pionier der kommerziellen Wasserstoff-Förderung. Seit 2012 produziert Hydroma in Mali weißen Wasserstoff und liefert damit den Proof of Concept für die gesamte Branche. Das Unternehmen plant die Expansion nach Australien und andere Regionen mit vielversprechenden Vorkommen.

In Australien arbeiten Gold Hydrogen und H2EX an der Erschließung natürlicher Wasserstoff-Lagerstätten. Die australischen Vorkommen zeichnen sich durch eine besonders hohe Reinheit aus. Bohrungen in South Australia haben Wasserstoff-Konzentrationen von über 80 Prozent ergeben. Investoren aus dem Öl- und Gassektor zeigen zunehmendes Interesse an diesem neuen Energieträger.

Große Energiekonzerne wie TotalEnergies und Engie haben ebenfalls Explorationsprojekte gestartet. Diese Unternehmen bringen Erfahrung aus der Öl- und Gasförderung mit und können bestehende Infrastruktur nutzen. Die Beteiligung etablierter Player signalisiert das wachsende kommerzielle Potenzial. Für Anleger, die an nachhaltiger Geldanlage interessiert sind, könnten Wasserstoff-Aktien künftig eine interessante Option darstellen – allerdings mit entsprechendem Risikobewusstsein.

🏢 Wichtige Akteure im Bereich weißer Wasserstoff

🇨🇦

Hydroma

Erste kommerzielle Förderung in Mali

🇫🇷

45-8 Energy

Exploration in Lothringen, Frankreich

🇦🇺

Gold Hydrogen

Hochreine Vorkommen in Australien

🌍

TotalEnergies

Investitionen in Explorationsprojekte

Weißer Wasserstoff und die deutsche Energiewende

Die deutsche Energiewende steht vor der Herausforderung, fossile Brennstoffe durch klimafreundliche Alternativen zu ersetzen. Wasserstoff-Energie gilt dabei als Schlüsseltechnologie für Bereiche, die sich nicht direkt elektrifizieren lassen. Weißer Wasserstoff könnte einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.

Deutschlands wachsender Wasserstoffbedarf

Der deutsche Wasserstoffbedarf wird laut Nationale Wasserstoffstrategie von 55 Terawattstunden im Jahr 2024 auf 130 Terawattstunden bis 2030 steigen. Für das Jahr 2045 prognostiziert die Bundesregierung einen Bedarf von 350 Terawattstunden. Diese Mengen lassen sich allein durch inländische Elektrolyse nicht decken. Importe werden daher eine zentrale Rolle spielen.

Die Nationale Wasserstoffstrategie setzt primär auf grünen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Das Ziel: 10 Gigawatt Elektrolysekapazität bis 2030. Weißer Wasserstoff findet in der aktuellen Strategie noch keine explizite Erwähnung. Angesichts der potenziellen Kostenvorteile und der begrenzten Verfügbarkeit von Ökostrom für die Elektrolyse könnte sich dies ändern.

📊 Deutscher Wasserstoffbedarf (Prognose)

📅 2024 (aktuell)
55 TWh
📅 2030 (Ziel)
130 TWh
📅 2045 (Klimaneutralität)
350 TWh

Anwendungsbereiche für Wasserstoff in Deutschland

Die Stahlindustrie zählt zu den wichtigsten künftigen Abnehmern von klimafreundlichem Wasserstoff. Unternehmen wie ThyssenKrupp und Salzgitter planen die Umstellung von Hochöfen auf wasserstoffbasierte Direktreduktion. Dieser Prozess ersetzt Kohle durch Wasserstoff und reduziert die CO2-Emissionen um bis zu 95 Prozent.

Die chemische Industrie benötigt Wasserstoff als Grundstoff für Ammoniak, Methanol und andere Basischemikalien. BASF und andere Chemiekonzerne haben sich ambitionierte Klimaziele gesetzt. Die Verfügbarkeit von günstigem, klimaneutralem Wasserstoff ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.

Im Verkehrssektor eignet sich Wasserstoff besonders für Schwerlastanwendungen wie Lkw, Busse und Züge. Auch die Schifffahrt und Luftfahrt prüfen wasserstoffbasierte Antriebe. Die Entwicklung der Elektromobilität zeigt, dass alternative Antriebe zunehmend an Bedeutung gewinnen. Brennstoffzellen-Fahrzeuge könnten Batteriefahrzeuge dort ergänzen, wo große Reichweiten und schnelles Tanken gefordert sind.

Zukunftsperspektiven für weißen Wasserstoff

Die Zukunft des weißen Wasserstoffs hängt von mehreren Faktoren ab. Technologische Fortschritte bei der Exploration, politische Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Entwicklungen werden darüber entscheiden, welche Rolle natürlicher Wasserstoff im globalen Energiemix spielen wird.

Zeitrahmen und realistische Erwartungen

Erste kommerzielle Projekte zur Förderung von weißem Wasserstoff existieren bereits in Mali. Für eine großflächige Nutzung rechnen Experten jedoch mit einem Zeithorizont von 10 bis 20 Jahren. Die Exploration steht noch am Anfang, und systematische Potenzialanalysen fehlen in den meisten Regionen. Eine schnelle Skalierung ist daher kurzfristig nicht zu erwarten.

Die wissenschaftliche Datenlage zur globalen Verfügbarkeit verbessert sich kontinuierlich. Neue Studien identifizieren potenzielle Lagerstätten auf allen Kontinenten. Gleichzeitig entwickeln Geologen bessere Methoden zur Fernerkundung und Charakterisierung von Vorkommen. Diese Fortschritte werden die Erschließung beschleunigen.

Investitionsmöglichkeiten und Risiken

Das Interesse an Wasserstoff-Aktien ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Unternehmen wie Hydroma, Gold Hydrogen und H2EX werden von Anlegern als Pioniere des neuen Sektors betrachtet. Die Bewertungen spiegeln hohe Wachstumserwartungen wider – und entsprechende Risiken.

Die meisten Unternehmen im Bereich weißer Wasserstoff befinden sich noch in der Explorationsphase. Umsätze und Gewinne sind entsprechend gering oder nicht vorhanden. Investitionen erfordern daher einen langen Anlagehorizont und hohe Risikobereitschaft. Wer sich für ESG-Investing und nachhaltige Investments interessiert, sollte die Entwicklung aufmerksam verfolgen – aber mit realistischen Erwartungen.

💡
Praxis-Tipp für nachhaltige Anleger

Wer in den Wasserstoff-Sektor investieren möchte, sollte breit diversifizieren. ETFs auf saubere Energie oder Wasserstoff bieten Zugang zu mehreren Unternehmen gleichzeitig. Direktinvestitionen in einzelne Wasserstoff-Aktien eignen sich nur für risikobewusste Anleger mit entsprechendem Fachwissen.

Fazit: Weißer Wasserstoff als Hoffnungsträger der Energiewende

Weißer Wasserstoff könnte die Wasserstoffwirtschaft revolutionieren, indem er eine günstige und klimafreundliche Alternative zu industriell hergestelltem Wasserstoff bietet. Die geschätzten Produktionskosten von 0,50 bis 1 Euro pro Kilogramm unterbieten grünen Wasserstoff um bis zu 90 Prozent. Mit weltweiten Reserven von 5,6 Billionen Tonnen wäre die Versorgung auf Jahrhunderte gesichert.

Für Deutschland eröffnet natürlicher Wasserstoff neue Perspektiven. Mögliche Vorkommen in Nordbayern und am Oberrheingraben könnten zur Energieversorgung beitragen und die Abhängigkeit von Importen reduzieren. Die Nationale Wasserstoffstrategie sollte diese Potenziale künftig stärker berücksichtigen.

Die Erschließung steht noch am Anfang, und bis zur großflächigen Nutzung werden voraussichtlich 10 bis 20 Jahre vergehen. Dennoch lohnt es sich, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Weißer Wasserstoff könnte ein wichtiger Baustein für eine klimaneutrale Zukunft werden – ergänzend zu anderen erneuerbaren Energiequellen und der Elektrifizierung.

Häufig gestellte Fragen

Quellen

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Michael Törner

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Ich bin Michael — Gründer von Nachhaltigkeit mit Kopf. Hier teile ich fundiertes Wissen rund um nachhaltige Ernährung, bewussten Konsum, grüne Finanzen und umweltfreundliches Leben — immer evidenzbasiert und verständlich aufbereitet.

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